Putten üben zu Hause: So bleibt dein Gefühl auf dem Grün über den Winter

Draußen ist es früh dunkel, die Grüns sind gesperrt oder mit Wintergrüns ersetzt. Für viele Golfer heißt das: Der Putter bleibt bis März im Bag.
Im Frühjahr kommt dann die Quittung. Die kurzen Putts fühlen sich wackelig an, die langen bleiben zwei Meter zu kurz, und die ersten Runden kosten unnötig Schläge.
Dabei ist Putten der Teil deines Spiels, den du am leichtesten zu Hause trainieren kannst. Du brauchst keinen Platz, keine Range und kein Flutlicht. Ein Stück Teppich, ein paar Bälle und 15 Minuten reichen.
Warum sich Putten zu Hause lohnt
Rechne kurz nach: Wer auf 18 Löchern jeweils zweimal puttet, braucht 36 Putts. Bei einer Runde mit 100 Schlägen ist das mehr als jeder dritte Schlag.
Kein anderer Schläger kommt so oft zum Einsatz. Trotzdem trainieren die meisten Golfer das Putten am wenigsten, und im Winter oft gar nicht.
Dazu kommt: Putten ist eine kleine, ruhige Bewegung. Du kannst sie im Wohnzimmer genauso ausführen wie auf dem Grün. Kurze Einheiten an mehreren Tagen der Woche sind für das Lernen meist wirksamer als eine lange Einheit am Wochenende. Genau das macht das Training zu Hause so wertvoll.
Was du zu Hause trainieren kannst – und was nicht
Bevor du loslegst, sei ehrlich zu dir: Ein Teppich ist kein Grün.
Gut trainierbar sind:
- Die Startlinie: Rollt der Ball dort los, wo du hinzielst?
- Der Treffpunkt: Triffst du den Ball mit der Mitte der Schlagfläche?
- Der Rhythmus: Ist deine Bewegung gleichmäßig, oder beschleunigst du ruckartig?
- Deine Routine: Läuft vor jedem Putt derselbe Ablauf ab?
Nur eingeschränkt trainierbar sind:
- Das Längengefühl: Dein Teppich rollt anders als jedes Grün. Du kannst lernen, Längen gleichmäßig zu dosieren, aber das genaue Tempo stellst du erst auf dem Platz ein.
- Das Grünlesen: Breaks und Neigungen gibt es im Wohnzimmer kaum.
Konzentriere dich deshalb im Winter auf Startlinie, Treffpunkt und Rhythmus. Das sind die Grundlagen, die im Frühjahr sofort wirken.
Übung 1: Das Tor für deine Startlinie
Stelle zwei Bücher oder zwei Tees so auf, dass zwischen ihnen gerade etwas mehr Platz ist als dein Putterkopf breit ist. Das Tor steht direkt vor dem Ball.
Etwa einen Meter dahinter legst du eine Münze als Ziel.
Puttest du sauber, schwingt der Putter durch das Tor, ohne es zu berühren, und der Ball rollt über die Münze. Berührst du ein Buch oder rollt der Ball daneben, weißt du sofort, was los war: Die Schlagfläche zeigte nicht zum Ziel, oder deine Bewegung lief schief.
Starte mit zehn Putts. Zähle, wie viele den Ball über die Münze schicken, ohne das Tor zu berühren.
Übung 2: Die Leiter für deinen Rhythmus
Klebe mit Malerkrepp drei Linien auf den Teppich, zum Beispiel bei zwei, drei und vier Metern. Eine vierte Linie etwa einen halben Meter hinter der letzten markiert das Ende.
Putte nun nacheinander auf jede Linie. Der Ball soll möglichst knapp hinter der jeweiligen Linie liegen bleiben. Rollt er über die Endlinie, beginnst du von vorn.
Diese Übung trainiert kein genaues Grüntempo. Sie trainiert etwas Wichtigeres: dass du verschiedene Längen über die Länge deines Rückschwungs steuerst und nicht über einen Schlag mit der Hand.
Ein Beispiel aus unserem Coaching: Ein Golfer mit Handicap 18,4 traf den Ball sauber, trotzdem liefen seine kurzen Putts rechts vorbei und die langen blieben zu kurz. Im Schnitt brauchte er 36 Putts pro Runde. Die Videoanalyse zeigte drei Ursachen: Seine Augen waren deutlich innerhalb der Ball-Ziel-Linie, die Schlägerbahn lief von außen nach innen, und die rechte Hand griff zu fest.
Im Winter hat er zu Hause genau in dieser Reihenfolge gearbeitet, an fünf Abenden pro Woche je 20 Minuten: zuerst die Augenlinie mit einem Puttingspiegel, dann die Schlägerbahn mit dem Tor aus zwei Büchern, zum Schluss ein Griffvergleich mit demselben Test aus 20 Putts aus 1,5 Metern. Gewonnen hat der Cross-Handed-Griff (linke Hand unten). Aus 1,5 Metern traf er danach 85 statt 55 Prozent. In den ersten sechs Runden der neuen Saison brauchte er im Schnitt 31 statt 36 Putts, bis Ende Mai sank sein Handicap auf 16,1.
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Übung zum Mitnehmen: Der 15-Minuten-Putt-Plan
Diese Einheit kannst du zwei- bis dreimal pro Woche machen. Sie folgt der 1/3-Regel, die wir auch für jede Einheit auf der Anlage empfehlen:
5 Minuten Stabilisieren: Putts aus einem Meter durch das Tor. Ruhig, ohne Druck, mit Fokus auf einen sauberen Treffpunkt.
5 Minuten Entwickeln: Die Leiter. Wechsle nach jedem Ball die Linie, damit du die Länge jedes Mal neu einschätzen musst.
5 Minuten Anwenden: Zehn Putts, jeder zählt. Vor jedem Putt machst du deine komplette Routine, so wie auf dem Platz. Du hast nur einen Versuch pro Ball. Notiere, wie viele Bälle über die Münze rollen oder hinter der richtigen Linie liegen bleiben.
Schreib dir das Ergebnis jedes Mal auf. Nach vier Wochen siehst du, ob deine Quote steigt.
Vom Teppich zurück aufs Grün
Wenn im Frühjahr die Grüns wieder offen sind, nutze deine erste Einheit auf dem Übungsgrün zum Einstellen. Putte ein paar Bälle auf verschiedene Längen und beobachte, wie schnell das Grün im Vergleich zu deinem Teppich ist.
Die Startlinie, den Treffpunkt und deine Routine hast du schon mitgebracht. Jetzt passt du nur noch das Tempo an. Das geht deutlich schneller, als nach vier Monaten Pause bei null anzufangen.
Typische Fehler
Nur kurze Putts üben: Ein Meter ist bequem, aber einseitig. Nimm auch die Leiter mit dazu, sonst fehlt dir im Frühjahr das Gefühl für längere Putts.
Ohne Ziel putten: Ein paar Bälle über den Teppich rollen ist kein Training. Ohne Tor, Münze oder Linie weißt du nicht, ob du besser wirst.
Ohne Routine putten: Zu Hause fehlt der Druck. Gerade deshalb solltest du deine Routine bewusst einbauen. Sonst trainierst du eine Bewegung, die du auf dem Platz nie so ausführst.
Zu lange Einheiten: Eine Stunde Putten am Sonntag bringt weniger als dreimal 15 Minuten unter der Woche. Lieber kurz und regelmäßig.
Fazit: Der Winter ist die beste Zeit fürs Putten
Putten ist der Schlag, den du am häufigsten spielst, und der einzige, den du ohne Golfanlage sinnvoll trainieren kannst.
Konzentriere dich auf Startlinie, Treffpunkt und Rhythmus. Übe zwei- bis dreimal pro Woche 15 Minuten mit klarem Ziel und notiere deine Ergebnisse. So startest du im Frühjahr mit einem Putter, der sich vertraut anfühlt, statt die ersten Runden mit Dreiputts zu bezahlen.
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